Mittwoch, 9. Oktober 2013

Alaska Hwy - Whitehorse 17.9. - 27.9.2013


17. Sept. Grande Prairie - Dawson Creek - Fort. St. John
Mit dem Regen hat sich das schöne warme Wetter verabschiedet. Von nun an ist es kälter und  windiger. Trotzdem machen wir Halt beim Swan Lake und nehmen unseren Lunch ein, bevor wir auf der Strasse 43 unsere Weiterfahrt nach Dawson Creek aufnehmen.

Dawson Creek Mile 0

Entfernung in Meilen

Schweizer Bäckerei im Hintergrund das Getreidesilo
Dawson Creek, British Columbia ist Ausgangspunkt des Alaska Highway. Die Hauptattraktion ist der Mile Zero Post mitten auf einer Strassenkreuzung, der die Meile 0 des Alaska Hwy markiert. Der ca. 2230 km lange Alaska Hwy geht via Whitehorse im Yukon und endet in Delta Junction in Alaska. Gleichzeitig wurde mit dem Bau 1942 an den obgenannten drei Orten begonnen und wurde bereits ein halbes Jahr später fertig. Der Hwy sollte als Nachschubstrasse für den US-Staat im hohen Norden gegen die damals befürchtete japanische Invasion sichern. Er verhalf verschiedenen kleinen Orten im BC, Yukon und Alaska zu ungewohntem Aufschwung. Heute wird der Hwy vorallem in den Sommermonaten mehr von Campmobilen als von Truckern befahren.
Wir besuchen zuerst das Visitor Centre und decken uns mit den neusten Maps ein. Im selben Gebäude ist auch das Railway Station Museum untergebracht. Neben diesem Gebäude steht auch ein Grain Elevator, ein Getreidesilo. Auf der anderen Seite entdecken wir eine CH-Bäckerei. Wir kaufen ein feines Brot und Güetzi. Im Stadtmuseum wären neben Ausstellungsstücken auch Filme über den Bau des Alaska Hwy zu sehen. Leider geschlossen. In nächster Zeit werden wir noch des öfteren vor geschlossenen Türen stehen.
Dafür entdecke ich ein kleines Bijou-Lädeli zum Shoppen. Lauter hübsche Dekosachen, Schmuck, Taschen und Vielem mehr. Für grosse Sachen haben wir keinen Platz, so kaufe ich etwas Modeschmuck.
Wir sind uns einig die Kleinstadt Dawson Creek mit ca 11000 Einwohnern gefällt uns, sie hat einen besonders lieblichen Charme.
Von nun an fahren wir also auf dem Alaska Highway.

Kiskatinow Brücke

Trestlebridge

Bald darauf weist uns ein Wegweiser zur Kiskatinow Trestlebridge, dort führte früher der Alaska Hwy durch. Heute speziell durch ihre halbmondförmige Rundung noch eine interessante Touristenattraktion.
Gegen Abend kommen wir in Fort St. John an.

18. Sept. Fort St. John - Andy Bailey Forestcampground (kurz vor Fort Nelson)
Es ist kalt als wir aufwachen. Endlich überwinden wir uns aufzustehen.
Heute fahren wir auf dem Alaska Hwy von Km 83 bis Km 410.

Raststätte Buffalo Inn

wärmende gute Suppe

Bei Km 224 machen wir Halt und nehmen im Buffalo Inn eine wärmende, sehr schmackhafte Suppe ein Mix zwischen einer Gemüse-Fleisch- und Bündnergerstensuppe ein. Dazu wird uns ein feines warmes Brötchen serviert. Nachdem wir uns gestärkt haben fahren wir weiter durch eine wolkenverhangene eher monotone Gegend. Als wir das Bergmassiv der Pink Mountain passieren, das ihre pinkene Farbe nur während dem Sonnenaufgang resp. dem Sonnenuntergang erhält und so zu ihrem Namen kam, sehen wir bei diesem Wetter schon gar nicht, geschweige denn überhaupt einen Hauch von Pink.

 
 Alaska Highway
Die Zeit ist da um nach einem Campground Ausschau zu halten und schon bald weist uns eine Anzeigetafel auf einen 12 Km entfernten Forrestcampground hin. Wir biegen ab in eine Schotterstrasse und keine zwei Kilometer weiter trottet ein Schwarzbär vor sich hin. Er bemerkt uns schnell und verschwindet im Wald bevor ich meine Kamera in Position bringe. Aber gesehen haben wir ihn, den Bären! Und wir wissen nun ganz sicher: es gibt sie also doch! Wir finden einen einsamen Campground an einem See mit dem schönen Namen Klua Lake. Mit dem Wissen im Wohnhaus der Bären zu sein, entschliessen wir uns trotzdem nach der langen Autofahrt auf einen kurzen Fussmarsch, aber nicht ohne unsere Bearbell umzuhängen. Das Bimmeln soll die Bären rechtzeitig auf Gefahr aufmerksam machen, der sie dann meist lieber aus dem Weg gehen. Die Bearbell bietet einen gewissen Schutz, doch in Regionen mit rauschendem Wasser nützt das Gebimmel leider auch nichts. Da hilft dann nur noch die neue Wunderwaffe ein Anti-Bear-Spray, dessen Geruch die Bären angeblich nicht ertragen können. Auf unserem Rundgang treffen wir auf keinen Bären mehr.
Chrigu geht einer seiner Lieblingsbeschäftigung nach und entfacht in der Grillstelle ein Feuer. Wir haben noch Servelas vom Metzger aus Sundre, und wir entschliessen uns nach alter Sitte die Würste am Stecken zu bräteln. Sie schmecken hervorragend! Nach dem fürstlichen Nachtessen entdeckt mein Liebster die Freude des "Bubelen". Dass die Indianer oder zumindest die Feuerwehr nicht auftauchen grenzt an ein Wunder! In den Forestcamps gibt es meistens keine Duschen, so darf ich neben einer Rauchwurst einschlafen.

Campground am Klua Lake

Schweizerservelas

Rauchzeichen

19. September Fort Nelson - Toad River
Unser erster Gang in Fort Nelson führt uns zu einer Autoglaswerkstatt. Vor einigen Tagen ist ein Stein in unsere Frontscheibe geflogen, und wir haben eine ca. sechs cm grosse Muschel im Glas, das dringend geflickt werden muss. Prompt wird das vom Fachmann erledigt, der das Loch mittels einem Glashärter auffüllt.
Auch heute ist nicht ein besonders freundlicher Tag. Ab und zu sehen wir keine zwanzig Meter weit so dicht ist der Nebel. Doch es wird wieder besser und ich kann mit meiner Kamera doch einige schöne Herbstbilder schiessen. Wir fahren durch grandiose Streckenabschnitte der Rocky Mountains. Schliesslich stoppen wir in Testa River. Unser Auto ist durstig. Dass wir uns trotz des gutausgebauten und des regen Verkehrs doch etwas ausserhalb der Zivilisation aufhalten und nicht alles selbstverständlich ist, wird uns bewusst als uns der Tankwart zu verstehen gibt: "Kein Benzin, der Tankwagen kommt erst morgen! Nächste Tankstelle zwanzig Meilen weiter!" Ob das reichen wird? Wir schlucken leer. Was bleibt uns anderes übrig als weiterzufahren und zu hoffen.

Tankstelle ohne Benzin

Cariboo

unendliche Wälder und gewaltige Berge


Bald darauf versperren uns drei Cariboos, die mitten auf der Stasse stehen die Weiterfahrt. Doch nachdem das Fotoshooting beendet ist geben sie den Weg wieder frei, und wir können ungehindert bis zur nächsten Tankstelle fahren wo uns dieser Tankwart darauf aufmerksam macht, dass der Winter diese Jahr nicht lange auf sich warten lässt und zwei Wochen früher als gewöhnlich kommt. Hoffentlich hat er sich da mal geirrt.
In Toad River finden wir unseren Campingplatz und betreffend Tierbeobachtung haben wir erneut Glück und können in einiger Entfernung eine Moosekuh mit ihrem Jungen im Wasser stehend und am Seegras fressend beobachten. Zu unserer Linken entdecken wir Familie Biber die emsig am Werkeln ihres Wohnhauses ist. Sie lassen sich gar nicht stören, und wir können sie aus nächster Nähe beobachten.

Moosekuh mit Jungem

Biberfamilie
















Anschliessend begeben wir uns zum Campground gehörenden Restaurant und essen für einmal Hamburger mit Fries! Das Restaurant hat eine ganz besondere Attraktion. Nämlich die ganze Decke ist behängt mit Hunderten verschiedenster, gebrauchten Schirmmützen.

Besonderheit Schirmmützen

20. Sept. Toad River - Liard River Hot Springs
Wir fahren auf dem Alaskahighway weiter Richtung Nordwest. Das Wetter spielt mit und wir können auf unserer Fahrt unvergessliche Bilder mitnehmen. Der Herbst zeigt sich von der schönsten Seite und lässt die Wälder in unendlicher Farbenvielfalt erstrahlen. Zwischendurch schlängelt sich ein Fluss was uns ab und zu ein "Ah" und "Oh" entlockt. Wir bekommen gar nicht genug von der schönen Landschaft und ich knipse wie verrückt auf den Auslöser des Fotoapparats. Nach jeder Kurve "muss" ich aussteigen. Mit der Zeit knipse ich aus lauter Bequemlichkeit durch die Frontscheibe was sich natürlich in der Qualität der Bilder niederschlägt. Ich belasse schliesslich die Fotographiererei, und wir versuchen die atemberaubende Landschaft fest in unserem Gedächtnis zu speichern.



Wir kommen am Muncho Lake vorbei, ein weiterer Höhepunkt des Tages, denn er besticht mit der eindrucksvollen, jadegrünen Farbe die übrigens von Kupferoxiden verursacht wird. Der See lädt auf eine Bootstour ein doch leider ist der Bootsverleih schon geschlossen.

Muncho Lake

Muncho Lake

Wir machen immer wieder Pausen um die Natur zu bewundern oder uns die Beine zu vertreten. Wir begeben uns auf einen Kurztrail von wo aus wir einen Rundblick über ein weitesTal haben indem wir Tiere vermuten vor allem Dallschafe die an den pittoresken Kalksteinschluchten lecken und sich so wichtige Mineralien zuführen. Nicht einmal das Fernglas nützt etwas, kein einziges Tier lässt sich blicken. Erst als wir uns wieder auf den Rückweg machen erblicken wir immerhin noch ein Blesshuhn.

Blesshuhn

Kalksteinschlucht














Auf dem nächsten Streckenabschnitt wird auf Bisons hingewiesen. Das wäre ja genial wenn wir einen Bison vor die Linsen bekämen. Ob wir soviel Glück haben? Und tatsächlich, kurz bevor wir in Liard Hot Springs ankommen, entdecken wir einen Koloss der sich auch dann nicht beim Fressen stören lässt als ich zu knipsen beginne.



Wir campieren im Liard River Hot Springs Provincial Park. Die gleichnamigen Liard Hot Springs erreicht man über einen Holzplankenweg der über warme Sumpfgewässer zu den beiden weitgehend naturbelassenen und von üppigen, beinahe subtropischen Grün umgebenen Badepol im Wald führt. In einem Becken misst die Wassertemperatur 42 Grad, im anderen sind es schon fast heisse 53 Grad. Nach diesem eindrucksvollen und  ereignisreichen Tag lassen wir den Tag Revue passieren und entspannen uns in dem wohltuenden warmen Wasser.

Boardwalk zu den Hot Springs

Quellen von Liard Hot Springs


21. Sept. Liard Hot Springs - Watson Lake
Bevor wir uns wieder ins Auto setzen gehen wir nochmals zu den Quellen. Am Morgen ist die Athmosphäre wieder ganz anders. Wir geniessen die Ruhe und das warme entspannende Wasser.
Nach einem anschliessenden stärkenden Frühstück machen wir uns auf die Weiterfahrt und hoffen nochmals Bisons zu sehen, denn auf dieser Strecke sind die Tiere zu Hause, und das Strassenbord vor dem Wald ist breit genug für sie um zu grasen. Die Chancen stehen also nicht schlecht, und wir sehen sie! Alle paar Kilometer, manchmal einzelne Bullen, manchmal ganze Herden. Und sie stehen nur wenige Meter vom Strassenrand entfernt und lassen sich beim Grasen überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Wir können nebenzu parkieren und ich kann meine Bilder schiessen.


Bisonfamilie


noch mehr Bisons



Zwischendurch machen wir auch Halt zum Fotographieren des Herbstwaldes. Unendliche Weiten von Wäldern präsentieren sich goldig. Auch nehmen wir die schöne Erinnerung des Liard River mit, der sich durchs Tal schlängelt.



Liard River


Dann kommen wir in Watson Lake an, die erste Ortschaft im Yukon Territory. Ausser Whitehorse und Dawson City ist Watson Lake der einzige Ort im Yukon mit einer vollständigen Versorgungsinfrastruktur inkl Arzt, Zahnarzt und Apotheke. Ihre Bekanntheit aber verdankt die mit ca. 1600 Einwohnern bereits drittgrösste Stadt im Yukon Territory in erster Linie den Watson Lake Sign Posts, zahlreichen unübersehbaren Holzmasten am Alaska Hwy, an der die Besucher aus aller Welt Wegweiser, Autokennzeichen, Orts- und andere in irgendeiner Form beschriftete Schilder genagelt haben. Den Anstoss zu dieser Sammlung hat ein heimwehkranker Soldat aus Illinois mit dem Schild seines Heimatortes während dem Bau am Alaska Hwy gegeben. Seinem Beispiel folgten andere Arbeiter, Lastwagenfahrer und später unzählige Touristen aus aller Welt.
Wir sind über die Menge der Schilder überwältigt. Es sind soviele, dass wir sie gar nicht alle ansehen können. Wir selber unterlassen es uns zu verewigen.


Sign Posts














Das teuerste ist nicht immer das Beste. Das erfahren wir heute! Wir erwischen einen Campingplatz der oberen Preisklasse mit dem klingenden Namen "Baby Nugget".Wir sind hier etwas in der Abgeschiedenheit da ist es halt ein bisschen teurer, dazu sind wir froh nicht mehr weiter fahren zu müssen, denn hier oben sind die Campingplätze auch nicht zu Hauf. So weit so gut! Wir haben sogar Internetverbindung zwar nur in der Laundry aber immerhin. Um in die Laundry zu kommen erhalten wir einen Zahlencode. Doch mit diesem Code lässt sich die Türe leider nicht öffnen. Wir melden uns im Office wo man uns nicht besonders freundlich mitteilt, dass sie uns den falschen Code angegeben haben. Erneuter Versuch, wieder fehlgeschlagen! Die bereits unfreundliche Dame wurde noch etwas unfreundlicher und erklärt uns gehässig, dass wir vier Zahlen eintippen müssen, aber wie soll man wissen , dass im Yukon die Kombination 2-4-6-8 gleichbedeutend wie 1-2-3-4 ist (siehe Bild) Nun ist Error und niemand ist da der die Türe öffnen könne keifft sie weiter. Doch plötzlich hören wir ein Summen, wir tippen die Nummer 1-2-3-4 oder eben 2-4-6-8 ein und endlich können wir eintreten und unsere E-Mails checken.

der Grund zum Aergernis

Washrooms und Laundry vom "Baby Nugget" Campground

Duschen ist auch nicht gratis. Man braucht einen Loonie (einen kanadischen Dollar) für zweieinhalb Minuten duschen. O.k. das heisst sich sputen. Sicherheitshalber nehme ich zwei Loonies, Chrigu nur einen mit. Wieder stellen wir fest im Yukon ist alles ein bisschen anders, kaum eingeseift stellt das Wasser schon nach gefühlten anderthalb Minuten wieder ab. Glücklicherweise habe ich noch eine Münze, währenddem mein Liebster in voller Seifenpracht dasteht und ihm Gottseidank ein anderer Tourist aus der Patsche hilft. Endlich geduscht wollen wir uns die Haare trocknen, aber im ganzen Duschraum findet sich keine Steckdose. Bleibt nur die Laundry, und wir hoffen uns beim Oeffnen der Türe nicht wieder wie Deppen anzustellen! Eh, eigentlich waren wir ja gar nicht die Deppen! Auch hätten wir ja noch schmutzige Wäsche, aber wir unterlassen es die Waschmaschine auf ihre Tücken zu prüfen.

22. Sept. Watson Lake - Whitehorse
Es ist kalt als wir erwachen und wir lassen zuerst die Heizung warm laufen bevor wir uns aus dem Bett getrauen und für "Gfrörlis" eine einigermassen akzetable Wärme herrscht.
Erneut fahren wir auf dem Alaska Hwy Richtung Whitehorse. Es ist immer dasselbe Bild. In unendlicher Farbenpracht bietet sich der Herbst an. Die Berge haben zum Teil schon ein Schneehüetli, wir verfolgen Flüsse die ihren Weg suchen, wir erfreuen uns an den Seeli in den verschiedensten Blautönen. Ab und zu halten wir an um die Beine zu vertreten und dabei die Eindrücke fotographisch festzuhalten. Es ist einfach nur schön!



















Viele Regionen haben aber auch mit demm Borkenkäfer zu kämpfen. So sehen wir auch immer wieder Gebiete mit "totem Wald".Wie wir gehört haben, hat Kanada dadurch Schäden in Milliardenhöhe.
Wir fahren durch Teslin, eine Ortschaft mit 400 Einwohnern. Wir wollen ins Tlingit Heritage Centre, ein Indianer Museum. Wir haben Sonntag, das Museum ist geschlossen. Wenigstens können wir die eindrücklichen Totempfähle betrachten, die vor dem Eingang stehen.

Blick nach Teslin

Brücke nach Teslin


Totempfahl vor Tlingit Heritage Centre
zwei Totempfähle

Nach der heutigen rund 450 Kilometer langen Tagesetappe bei der insgesamt neun mal die Grenze zwischen dem Yukon und British Columbia wechselt erreichen wir Whitehorse.
Die Ortsbezeichnung geht auf die hochaufschäumende Gischt der einst gefürchteten Miles Canyon-Stromschnellen zurück. Sie erinnern an die wehende Mähne eines Schimmels. Heute nicht mehr nachvollziehbar, da die Stromschnellen mittels Stausee, dem Schwatka Lake gebändigt sind.
In Yukon, das ungefähr zwölfmal so gross ist wie die Schweiz leben rund 32`000 Einwohner, davon drei Viertel in Whitehorse. oder mit anderen Worten und, oh Schreck: Es gibt ausserhalb der Hauptstadt mehr Bären als Menschen.

wir sind in Whitehorse


23. Sept. Whitehorse
Der Tag beginnt mit Regen. Wir beschliessen einen Museumstag. Doch stellen wir bald fest, dass im Yukon schon alle auf Winter eingestellt sind. Der grosse Touristenstrom ist vorbei und einiges ist bereits geschlossen. Auch für die Lachswanderung sind wir zu spät, denn die kamen nämlich bereits Juli/ August die wegen des Staudammes extra angefertigte, eine der längsten Fischleiter der Welt hoch. An ihrem verglasten Teil kann man oder könnte man hervorragend beobachten wie die Lachse die Stufen der Leiter überwinden.



Staudamm

Fischleiter rechts

Dafür haben wir doch noch Wetterglück und wir geniessen den Herbsttag mit einem Walk dem Yukon River entlang. Dabei sehen wir aus nächster Nähe eine Weisskopfadlermama auf ihrem Horst, die mit ihrem Ehegatten schimpft, der sich nicht mehr getraut nach Hause zu kommen. Währenddem wir auf Beobachtungsposten sind, kommen wir ins Gespräch mit einem deutschen Touristen, der schon oft in Kanada seine Ferien verbrachte. Er wusste einen Ort in der Nähe wo wir gute Chancen haben mehr von diesen Prachtsvögeln zu sehen. Danke für den Tip, den wollen wir gleich am nächsten Tag ins Auge fassen.

Yukon River

Bald Eagle

Herbstimpression

Yukon River



Im Pioneer Campground finden wir für die nächste Nacht unser Zuhause. Unser Platz ist zu weit von den Duschen entfernt. Es ist kalt und wieder regnerisch, so fahren wir bis zu den etwas spärlichen Duschen mit unserem Camper hin.

24. Sept. Whitehorse
In dieser Nacht haben wir unerwarteten Besuch. Jemand wähnt unser "Zuhause" auch als seines. Wir erwachen als wir das Geräusch von Scharren und Kräscheln wahrnehmen. Mit Taschenlampen schauen wir nach ob sich ein Bär an unserer Tür zu schaffen macht, sich ein Reh oder sonst was um unser Camper schleicht. Wir sehen nichts, es ist stockdunkel. Es ist wieder still, wir legen uns erneut aufs Ohr, doch bald darauf beginnt das Ganze wieder von vorne. Dazu vernehmen wir das Geräusch von Plastikrascheln. Oh je, das unbekannte Objekt muss sich in unserem Heim befinden. Erneut zünden wir mit der Taschenlampe in jede erdenkliche Ecke unserer Luxuswohnung, doch der Einbrecher ist unauffindbar. Das Theater wiederholt sich noch zweidreimal, bis sich der Eindringling von selbst aus dem Staube macht. Endlich finden auch wir unsere Nachtruhe. Tags darauf finden wir des Rätsels Lösung, denn die Spuren die der Täter hinterlässt sind eindeutig und als Mäusekacke zu identifizieren. Doch unsere Vorräte sind einwandfrei, nichts und niemand kam bei dem Verbrechen zu Schaden, sodass wir auf eine Anzeige verzichten und von einer Verfolgungsjagd absehen und den Täter in den Wald entlaufen lassen.
Endlich ausgeschlafen nach den nächtlichen Turbulenzen frühstücken wir ausgiebig, es ist ja noch alles da.
Dann finden wir doch noch zwei Museen die geöffnet haben. Erstens das Yukon Beringia Centre, indem über die Ureinwohner und das Leben nach der Eiszeit ausgestellt ist und informiert wird. Das Zweite dem wir einen Besuch widmen ist das Mac Bridge Museum. Es handelt vom Goldrausch, die Geschichte allg. im Yukon und über Tiere die im Yukon leben.
Wir folgen dem Tip des Deutschen und suchen etwas ausserhalb Whitehorse nach den Adlern. Und siehe da, tatsächlich entdecken wir mehrere der Vögel zum Teil aus nächster Nähe.


weiblicher Bald Eagle


männlicher Bald Eagle














Gegen Abend fassen wir die Takhini Hot Springs ins Visier. Die liegen etwa 25 Minuten nördlich von Whitehorse. Die Temperatur des Wasser beträgt dort sommers wie winters etwa 40 Grad. Das warme Bad ist wohltuend wenn auch der Pool und die Umgebung lange nicht so reizvoll sind wie die Bäder in Liards Hot Springs.
Unser Nachtlager finden wir gleich nebenan auf dem Campground.

25. Sept. Whitehorse
Erfrischend ist unser Aufstehen heute. Wir haben Temperaturen um den Gefrierpunkt. Unsere Badesachen die wir über Nacht draussen (zum Trocknen) aufgehängt haben sind gefroren.

gefrorenes Tankini

Wir haben wunderschönes Wetter doch nur von kurzer Dauer. Denn von einer Minute auf die andere wechselt es. Plötzlich ziehen nebelartige Wolken auf dazu weht ein starker Wind. Es ist bitterkalt! Trotzdem entschliessen wir uns zu einer Wanderung. Wir sind doch keine Weicheier!
Wir fahren zurück nach Whitehorse, Ausgangspunkt unsere Wanderung. Mit mehreren Schichten bekleidet, Kapuze hochgezogen trotzen wir der Kälte und wandern in etwa vier Stunden um den Schwatka Lake, den Stausee. Fazit des Tages: Trotz des bissigen Windes (bei uns in der Schweiz, Bise genannt) dem wir manchmal in den Waldabschnitten entgehen können, es hat sich gelohnt!

Stausee


Schwatka See


hoffentlich hält sie


schöne aber kalte Wannderung




Squirrel

26.Sept. Whitehorse
Wir shoppen in der City von Whitehorse. Wir kaufen uns Mützen für die nächste Eiszeit! Dazu besprechen wir auch gleich unseren Tagesplan.

Down Town von Whitehorse


Haus aus der Goldrauschzeit

Klondike II Schaufelraddampfer














Wir entscheiden uns nochmals für eine Wanderung. Diesmal geht es zu den Hidden Lakes. Das sind mehrere kleine Seeli die wir umwandern. Laut Reiseführer sind die Chancen gut Biber, Füchse, Kojoten und Bären zu beobachten. Doch keines dieser Tiere können wir ausmachen, über Letztgenanntem sind wir aber nicht unglücklich, den erleben wir lieber aus sicherer Distanz oder aus dem schützenden Vehikel.
Dafür entdecken wir wieder Weisskopfadler, die mit ihren gewaltigen Flügel ihre Kreise über unsere Köpfe ziehen.
Erneut erleben wir eine unvergessliche schöne Wanderung.

Chrigu geniesst den Ausblick

gibts einen Bären zu sehen?



Whitehorse


In Whitehorse gibt es zwei Campingpätze, die anderen haben schon geschlossen. Auf den einen wollen wir nicht mehr, erstens sind die Duschen nicht so super und zweitens haben wir dort schlechte Erfahrung mit einem Störenfried, wer weiss auf einmal dringt er wieder bei uns ein. Der andere Platz ist zwar super aber etwas teuer, und so beschliessen wir für einmal auf dem Parkplatz eines Supermarktes zu übernachten. Andere können das auch und wir entdecken nirgends eine Verbotstafel! Gute Nacht!

Abenddämmerung


27. Sept. Whitehorse
Es ist ein etwas komisches Gefühl auf einem Parkplatz des Walmarts aufzuwachen!! Besonders gut geschlafen haben wir auch nicht. Die Nacht war lärmig und da die Parkplatzlampen die ganze Zeit brannten auch viel zu hell. Wir sind um eine Erfahrung reicher.
Wir starten unseren Tag bei der Alpine Bakery von Deutschen geleitet. Eine riesige Schale Cafe Latte wird uns serviert, welcher uns kurzfristig zu mehreren Toilettengängen zwingt.

Cafe Latte

Deutsche Bäckerei

Anschliessend und zum Warmlaufen beschliessen wir eine etwa einstündige Wanderung entlang dem Wolfs Creek.

Wolfs Creek

Danach wollen wir nach Carcross, das etwa fünfzig Kilometer südlich von Whitehorse liegt. Während wir auf dem Klondike Hwy fahren sehen wir eine wunderschöne Landschaft, links und rechts mit gewaltigen Bergen einige mit weissen Spitzen. Das Ganze escheint durch die prächtigen Herbstfarben noch schöner. Spielte die Sonne auch noch etwas mehr mit würde die Kulisse wohl schon fast kitschig aussehen.

unterwegs nach Carcross

Wir kommen zum Emerald Lake. Bei sonnigem Wetter erscheint der See türkisfarben, wir sehen ihn leider in einer etwas langweiligeren Farbe. Trotzdem nehme ich mir die Mühe und klettere zwecks bestem Blickwinkel für ein Foto auf den gegenüberliegenden Hügel.
Nach weiteren paar Kilometern sehen wir plötzlich ein Dünengebiet, mit 260 ha die "kleinste Wüste der Welt". Verdursten müssen wir heute in dieser Wüste bei den kalten Temperaturen ganz bestimmt nicht.

Carcross Wüste














Wir kommen nach Carcross. Ziemlich schnell durchlaufen wir die winzige Siedlung.
Sehenswert in diesem ausgestorben wirkenden Nest sind die neugebauten Häuschen auf der Vorderseite bemalt im Stile der Indianerkunst.


neue Touristenhäuser


Es ist kalt, die Wolken machen immer mehr zu. Eines dieser Häuser ist ein Bistro. Wir gehen hinein und bestellen einen Tee. Die junge Dame hinter dem Tresen ist eine Deutsche die auf Weltreise ist und sich während der Sommermonaten ein paar Dollar verdient. Was sie denn um Himmelswillen in dieses Kaff verschlagen hat, ist unsere Frage.Wir schlürfen unseren heissen Tee und sie erzählt, dass in den Sommermonaten ganz viel los ist. Der Ort war um die Jahrhundertwende ein wichtiger Knotenpunkt für den Transport auf Schiene, Strasse und Wasser. Heute ist die auf ca 400 Einwohnern angewachsene Gemeinde ein beliebtes Tagesausflugziel für Kreuzfahrtpassagiere die von Skagway/USA mit Bus oder Bahn hochkommen. Vorgestern ist das letzte Schiff mit Touristen aus Skagway gekommen. Nun ist bereits alles mehr oder weniger geschlossen und die Siedlung ist während der Wintermonaten wie ausgestorben.


Siedlung Carcross



Schliesslich fahren wir auf Anraten der netten Dame noch zehn Minuten weiter zum Nares Lake, der ist umgeben von einer eindrücklichen Bergkulisse und inmitten des Sees präsentiert sich die Bove Island in den schönsten Herbstfarben.Trotzdem fahren wir bald einmal zurück nach Whitehorse, denn das kalte, windige und nebelverhangene Wetter lädt trotz der überwältigenden Gegend nicht zum längeren Verweilen ein.


Bove Island













Wir sind uns einig, diese Nacht gehen wir zurück zum Mountain Ridge Campingplatz.

Kommentare:

  1. Wow! Danke für den mega tollen ausführlichen Bericht. Man fühlt sich fast wie "hautnah dabei"!! Wenn schon die Bilder so wahnsinnig schön sind, kann man nur erahnen, wie unglaublich überwältigend alles in natura ist!

    Zu den "Rauchzeichen": vermutlich verstehen die Indianer kein schwiizerdütsch, sonst wären sie vielleicht Chrigu's Rauchspektakel bewundern gekommen, oder aber, er hat sie damit in die Flucht getrieben!!!....Hihi...

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  2. Ich habe eure Reise auch gemacht, mit dem Finger auf dem Rand Mc Nally Road Atlas. Vielen Dank für die interessanten Berichte und Foto's. Bin gespannt auf eure nächsten Berichte. VlG Manuela

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  3. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht! Jetzt seit ihr schon ein halbes Jahr in Canada!!!! Wünsche euch ein schönes Einrichten in der Wohnung in Fernie und einen guten Einstand in euren neuen Job's...
    Good Luck!
    Liebe Grüsse aus dem grauen, kalten Buechibärg...

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